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Hintergründe zu Taizé PDF Drucken
„Jene Eingebung hat mich seit meiner Jugend wohl nie mehr verlassen: Ein Leben in Gemeinschaft kann ein Zeichen dafür sein, dass Gott Liebe und nur Liebe ist. Allmählich reifte in mir die Überzeugung, dass es darauf ankam, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, eine Gemeinschaft von Männern, die entschlossen sind, ihr ganzes Leben zu geben, und die versuchen, sich stets zu verstehen und zu versöhnen. Eine Gemeinschaft, in der es im Letzten um die Güte des Herzens und die Einfachheit geht.“ Frère Roger in „Gott kann nur lieben”, Taizé 2002


Dass alle eins seien…
Taizé - gelebte Ökumene

Walter Kardinal Kasper ist Kurienkardinal und Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen – somit „oberster Ökumenebeauftragter“ des Vatikan. Er erinnert in diesem Interview für den Osservatore Romano vom 15./16. August 2008 an die tiefe Sehnsucht von Frére Roger, dem Gründer der Gemeinschaft von Taizé, nach Einheit:

Was ist in ihren Augen der besondere Beitrag Frère Rogers und der Communauté de Taizé zur Ökumene?
Die Einheit der Christen war gewiss eines der tiefsten Anliegen des Priors von Taizé, wie umgekehrt die Spaltung der Christen für ihn eine schiere Quelle des Schmerzes und des Bedauerns war. Frère Roger war ein Mensch der Gemeinschaft, der jede Form von Antagonismus oder Rivalität zwischen Personen oder Gemeinschaften nur schwer ertrug. Wenn er über die Einheit der Christen und über seine Begegnungen mit Vertretern der verschiedenen christlichen Traditionen sprach, verrieten sein Blick und seine Stimme, mit welcher Intensität an Nächstenliebe und Hoffnung er sich danach sehnte, dass „alle eins seien“. Die Suche nach der Einheit war für ihn stets richtungsweisend, auch bei ganz praktischen alltäglichen Entscheidungen: freudig jede Maßnahme aufgreifen, die die Christen verschiedener Traditionen annähern könnte, jedes Wort oder jede Geste vermeiden, die die Versöhnung verzögern könnte.
Diese Unterscheidung betrieb er mit einer Sorgfalt, die an Ängstlichkeit grenzte.
Bei dieser Suche nach der Einheit war Frère Roger jedoch weder gehetzt noch voreilig. Er wusste um die Geduld Gottes in der Heilsgeschichte und der Geschichte der Kirche. Niemals hätte er Schritte unternommen, die für die Kirchen unannehmbar gewesen wären, niemals hätte er Jugendliche aufgerufen, sich von ihren Pfarrern loszusagen.
Ihm lag eher an einer tief gehenden als an einer schnellen Entwicklung der ökumenischen Bewegung. Er war überzeugt, dass nur eine Ökumene, die sich am Wort Gottes und an der Feier der Eucharistie, am Gebet und an der Kontemplation nährt, in der Lage ist, die Christen in der von Jesus gewollten Einheit zusammenzuführen.
Auf diesem Gebiet der geistlichen Ökumene möchte ich den wichtigen Beitrag Frère Rogers und der Communauté de Taizé ansiedeln.

 
Infokasten:
Ein „Gleichnis der Gemeinschaft“
1940 beginnt die Geschichte des heute so bekannten „Taizé“ in den Wirren des II. Weltkrieges. Roger Schutz, 25 Jahre alt, Schweizer, zieht nach Frankreich. Seit Jahren treibt ihn die Sehnsucht nach einer religiösen Gemeinschaft. So wie es seine Großmutter während des Ersten Weltkriegs tat, will er, ohne zu zögern, Menschen zu Hilfe kommen.
Taizé ist ein kleines Dorf und liegt unweit der Demarkationslinie, die Frankreich damals teilt: ein guter Ort, um Flüchtlinge aufzunehmen. Sein „Hilfsprojekt“ ist mutig und bescheiden. Um Juden oder Agnostiker, denen er Obdach gibt, nicht in Verlegenheit zu bringen, wird jedem geraten, alleine zu beten. So handhabt es auch Frère Roger; zum Singen zieht er sich oft in den Wald zurück.
1942 warnt ein befreundeter französischer Offizier vor drohender Verhaftung. Frère Roger zieht sich bis Kriegsende nach Genf zurück; dort beginnt das gemeinsame Leben der ersten Brüder, bevor sie 1944 nach Taizé zurückkehren können.
Sie kümmern sich um Kriegswaisen und laden sonntags auch deutsche Kriegsgefangene aus einem nahe gelegenen Lager zu sich ein. Weitere junge Männer schließen sich den ersten Brüdern an, Ostern 1949 legen sie ein endgültiges Lebensengagement ab, welches das gemeinsame Leben in Ehelosigkeit, materieller und geistiger Gütergemeinschaft und großer Einfachheit umfasst.

Die Communauté de Taizé zählt heute an die hundert Brüder aus über 25 Ländern: Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Durch ihr Dasein selbst ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern.

Brüder der Communauté leben als Zeugen des Friedens auch in kleinen Fraternitäten unter Menschen an benachteiligten Orten in Asien, Afrika und Südamerika und versuchen, unter den Ärmsten ein Zeichen der Liebe zu sein. Sie teilen ihr Leben mit Straßenkindern, Gefangenen, Sterbenden, mit Menschen, die unter zerbrochenen Beziehungen und Verlassenheit leiden.
Mit den Jahren nimmt die Zahl der jungen Gäste in Taizé zu; sie kommen von allen fünf Kontinenten, um an den wöchentlichen Jugendtreffen teilzunehmen.
Auch Kirchenverantwortliche besuchen Taizé. Papst Johannes Paul II., die letzten drei Erzbischöfe von Canterbury, orthodoxe Metropoliten, die vierzehn lutherischen Bischöfe Schwedens, sowie zahllose Priester und Pastoren aus der ganzen Welt.

Seit 1962 reisen Brüder, und auch Jugendliche, von Taizé aus ständig in die Länder Mittel- und Osteuropas, um dort sehr diskret Menschen zu besuchen, die ihre Heimatländer nicht verlassen können.

Frère Roger wird am 16. August 2005 im Alter von 90 Jahren während des Abendgebets getötet. Seitdem ist Frère Alois, den Frère Roger bereits Jahre zuvor zu seinem Nachfolger bestimmt hat, Prior der Communauté.

 

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