Vorwort des Redaktionsteams JKW 2016

UND ICH? WO BIN ICH? IN DIESER WELT, MIT MEINEM LEBEN UND AUF DEM WEG JESU?
Als sein Ebenbild erschafft Gott den Menschen. Mit dem ersten Kapitel des ersten Buches erzählt die Bibel davon, wie Gott den Menschen zu einer echten Person inmitten der übrigen Schöpfung kreiert, wie er von Anfang an und auch mit den ersten Worten an ihn mit dem Menschen eine persönliche Beziehung aufnimmt, die von Zutrauen und Anvertrauen geprägt ist. Das zweite und dritte Kapitel der Genesis, dem 1. Buch Mose, erzählen dann von den gelingenden und den zerbrechenden Beziehungen des Menschen auch zu seinem Gott. Und in der Mitte zwischen diesen beiden Kapiteln steht die erste Frage, die Gott in der Bibel an den Menschen richtet. Gott sucht den Menschen auf, weil er ihn und die Beziehung zu ihm ernst nimmt: „Wo bist Du?“ (Gen 3,9). Diese Frage bleibt dem Menschen, bleibt uns, bleibt mir ganz persönlich bis heute. 
„Wo bist Du, Mensch?“ fragt Gott mich ganz persönlich, „Wo bist Du mit Deinem Leben und Deinen Gedanken, mit Deinen Hoffnungen und Plänen, mit Deinem Glauben und Deinen Zweifeln, mit Deinem Suchen und Deinem Handeln?“

Manchmal mag die Frage nach seiner Liebe klingen und nach seiner Sehnsucht nach dem Menschen, dem Gott ganz persönlich seine Liebe schenken will. Und ich, ich frage mich, ob ich mich denn finden lassen will von ihm.
Manchmal mag die Frage auch danach klingen, wo ich bin auf dem Kreuzweg Jesu; und ich frage mich: Bin ich der, der Tragen hilft, als er nicht mehr kann, bin ich wie Maria, die ihm beisteht, als er alleine ist – oder bin ich der, der ihn verleugnet und nicht kennen will, oder der, der seine Botschaft nur für die eigenen Zwecke gebraucht, oder bin ich so etwas wie einer der Nägel in seinem Kreuz?
Manchmal mag Gottes „Wo bist Du“ wie ein Ausruf nach mir klingen, ein „Mensch, wo bist Du hin, ich erkennen Dich nicht mehr!“ Und ich frage mich, was ich aus meiner Freiheit mache und danach, dass Freiheit schon von Anfang an auch heißt, Verantwortung für mich und mein Tun in Leben und Welt zu übernehmen.

DIE BILDER DES ÖKUMENISCHEN JUGENDKREUZWEGS 2016 ZEIGEN AUF EINE SUCHE HIN.
Sie zeigen Orte des Weges in Jerusalem, dem Menschen bis heute auf den Spuren des Kreuzweges Jesu folgen. Sie werfen die Frage nach Jesus und seinem Weg damals auf. Doch sie zeigen Jesus nicht, sie zeigen auch nicht, was sich so oder ähnlich ereignet hat. Sie öffnen viel mehr den Raum für die Suche des Glaubens, nicht des Sehens. Sie öffnen den Raum für die Suche nach ihm und nach unserem Standpunkt: 
„Wo bist Du!“ Die Bilder fragen nach den Menschen, die diesem Weg seit Jahrhunderten folgen, und manchmal zeigen sie Zeichen von deren Glauben. Sie zeigen etwas von Jerusalem und dem Leben heute, denn aus unserer Zeit stammen diese Bilder. Und sie werfen Fragen auf. Nach dem, an dessen Tod und Auferstehung wir glauben, nach den Zweifeln jedes Menschen ganz persönlich, nach der Begegnung der Menschen miteinander, die sich gegenseitig für fremd und unerlaubt in dieser Stadt halten, nach der Begegnung der Religionen und Weltanschauungen, nach Konflikten, Schuld und Barmherzigkeit. Dort und hier. Und in mir. 

IM DIALOG DER RUFE.
Zweimal „Wo bist Du!“, in zwei Richtungen, in zwei Rufen: der Ruf Jesu zu Gott in seiner verzweifelten Verlassenheit auf dem Weg ans Kreuz, verbunden mit dem von uns in unserem Schmerz; und der Ruf von Gott nach uns in dieser Welt, der Ruf von Jesus nach uns in die Nachfolge zum Aufbau und Ausbau des Reiches Gottes. Das Abbild Jesu ist nicht auf den Fotos, sein Leiden wird auf den Bildern des Ökumenischen Jugendkreuzwegs nicht dargestellt. Und doch wird aus den Bildern und Texten heraus sein Abbild sichtbar. In Jesus Christus finden beide Rufe zusammen, die Schreie zueinander werden zum Dialog: einem Dialog aus der Liebe Gottes zu uns in Jesus Christus und in unserem Vertrauen und dem Warten/Hoffen auf Gott mit Jesus Christus an unserer Seite.

DIE BILDER UND TEXTE GEBEN RAUM.
Der Jugendkreuzweg 2016 öffnet mit „Wo bist Du!“ Perspektiven auf den Weg Jesu wie auf aktuelle Fragen gewissermaßen am Ort des Geschehens. „Wo bist Du, Gott!“, fragen und zweifeln wir inmitten von Leid und Schmerz, von Krieg und Konflikt und auf der Suche nach Sinn und dem, woran wir glauben können. „Wo bist Du, Mensch!“, mag Gott jeden von uns fragen und auffordern, wenn es darum geht, wo wir denn eigentlich selbst zu finden sind, wo wir stehen in unserem Leben, wo auf dem Kreuzweg Jesu, wofür wir einstehen und was wir tun, um in dieser Welt in der Nachfolge Jesu Christi zu leben.

„WO BIST DU!“, IN BEIDE RICHTUNGEN.
Um auf die Erfahrung zu hoffen, dass Fragen zu Antworten und Suche zu Vertrauen werden können. Für diese Räume, dieses Suchen, diesen Dialog geben wir euch viele Materialien mit. Als Vorschläge oder Bausteine für Gebete und Gottesdienstfeiern, für das Mitgehen auf dem Kreuzweg. Wenn der Ökumenische Jugendkreuzweg Euch ein Stück Raum, Suche, Dialog auf Eurem Weg wird, freuen wir uns sehr. Bleibt geborgen auf Euren Wegen in Gottes Segen!

 

Alexander Bothe
Geschäftstführer des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend

für DAS REDAKTIONSTEAM

 

Das Redaktionsteam

becker

NORBERT M. BECKER
Herz-Jesu-Missionar, kath. Priester; Autor, Texter und Komponist Neuer Geistlicher Lieder
Der neue Jugendkreuzweg führt mich hin zu den Orten und Plätzen, an denen sich der Tradition nach Szenen des Leidensweges Jesu ereignet hatten. Diesmal sehe ich keinen Jesus, keine Soldaten, keine Jünger, keine Frauen, kein Volk ...  Ich sehe nur Alltag und Menschen unserer Zeit. Da drängt sich die Frage „Wo bist du?” auf. Weil ich kaum etwas sehe vom traditionellen Kreuzweg, wandere ich in Gedanken tiefer in Kreuzwegmomente unserer Zeit. Und unwillkürlich muss ich auch daran denken, wie viel Gewalt, Unmenschlichkeit und Terror es immer noch gibt im Hl. Land. Obwohl ich nichts sehe, gehe ich innerlich mit und fühle mich berührt.

 

 

petzoldtTOBIAS PETZOLDT
In der Hauptsache Dozent für Bildungsarbeit mit Jugendlichen an der Evangelischen Hochschule Moritzburg bei Dresden, daneben Texter und Kopf des Musikkabarettprojektes „zwischenFall“ (www.zwischenfall.net)
Sosehr ich auch in diesem Jahr von Idee, Text und dem erarbeiteten Gesamtkonzept unseres Materiales überzeugt bin, sosehr blieb mir bei der Beschäftigung damit eine Distanz zu den Bildern des Kreuzwegs. Vielleicht liegen aber im Sperrigen, Zufälligen, scheinbar Belanglosen viel mehr Kraft und Möglichkeiten als auf den ersten Blick erkennbar.

 

 

freitag

 MICHAEL FREITAG

Pastor, Referent für Theologie, Bildung und Jugendforschung bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej), Stellv. von Geschäftsführung und Redaktionsleitung des Ökumenischen Jugendkreuzwegs
„Wo bist Du, Gott?“ Diese meist sehnsüchtige, oft auch zweifelnde Frage gehört zu meiner Lebensgeschichte. Aber auch die Erfahrung: „Du bist da – Gott!“. Der diesjährige Jugendkreuzweg spiegelt diese Spannung wider zwischen Fragen und Entdeckungen.  Was mich besonders berührt: Dass die Texte so viel Hoffnung und Glaubenszuversicht ausstrahlen – trotz aller Fragen an Gott und an mich.

 

 

botheALEXANDER BOTHE
Referent für Ministrantenpastoral und liturgische / kulturelle Bildung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge (afj) der Deutschen Bischofskonferenz, Geschäftsführung und Redaktionsleitung des Ökumenischen Jugendkreuzwegs
Eine Kirche, die auf ihren riesigen blauen Toren in Nagelkreuzschrift aus der Johannespasssion erzählt: die als Kubus von außen immer dichtere Scheiben aufweist, je näher man dem Altarraum kommt – außen; deren innerer Kubus aus Holzlamellen immer durchsichtiger wird, je näher man zum Altarraum kommt – innen. So habe ich sie bei der ersten Begegnung erlebt. Ich fragte mich: Je mehr ich den Weg zum Inneren des Geheimnisses wirklich beginne, umso offener wird der Weg dorthin. Im Gang zwischen dem äußeren und dem inneren „Gehäuse“ der (originale) Kreuzweg, die Fotos der Via Dolorosa. Sie bebildern nicht Jesu Leidensweg, sondern lassen Jesus in den beiden Rufen zueinander, nacheinander sichtbar werden: Im gemeinsamen Weg von Gott und Mensch durch das Leid hindurch. Zum Leben. Das ist Jugendkreuzweg für mich.

 

 

dasslerCONNI DASSLER
Pastorin, Referentin für Theologie, Bildung und Jugendforschung bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej)
Dieser Kreuzweg führt mich zurück in meine Erinnerungen an zwei Besuche in Jerusalem. Schon damals habe ich mich in dieser faszinierenden, von Auseinandersetzungen geprägten, von Geschichte schweren Stadt zwischen all den Händlern, Gerüchen und Geräuschen gefragt: “Wo bist du, Gott?” Es ist gut, den Schmerz der offenen Wunde Jerusalem in einem Kreuzweg zu bedenken. Es ist heilsam, der intensiven Glaubensgeschichte in dieser Stadt zu begegnen und sich nach dem eigenen Glauben fragen zu lassen: Wo bist Du?

 

 

lauJOACHIM LAU
Pastor, Evangelisches MedienServiceZentrum, Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover
Die Fotos vom Ökumenischen Jugendkreuzweg 2016 regen meine Gedanken an. Ich stelle mir vor, selbst an den Stationen der Via Dolorosa zu stehen. Ich spüre die Steine unter meinen Füßen, rieche den Staub der Straße. Auf diesen Wegen ist Jesus gegangen. Ich spüre seinen Wegen nach, springe in die Geschichte. Das hilft mir, ihn in meiner Gegenwart wahrzunehmen.

 

 

gewandDANIEL GEWAND
Diplomtheologe und Pastoralreferent im Bistum Münster, dort Projektreferent „Junge Erwachsene“. Autor und Sprecher bei Kirche in 1live. Seit vier Jahren für den BDKJ-Bundesvorstand im Redaktionsteam
Der Kreuzweg und ich: Ich bin ein Sucher. Ich denke nach. Ich stelle Fragen - auch an meinen Gott. Genau deswegen gefällt mir der Ökumenische Jugendkreuzweg 2016, denn all das ermöglicht er.

 

 

 

linssenGREGOR LINSSEN
Texter, Komponist und Musiker, freier Referent für Neue Geistliche Musik
Ich war skeptisch, ob es gelingen kann, aus einem touristischen Blick auf die Via Dolorosa einen Jugend-Kreuzweg herauszuholen. Überzeugt hat mich letztlich die Nähe zum eigenen Alltag. Die Geschichte spielt eben nicht vor 2000 Jahren und 2000 Kilometer weit weg, sondern sie spielt jetzt und hier. Und sie hat Auswirkungen auf mein Leben jetzt und hier.