Jugendkreuzweg auf DEKT 2016

Gebet des Ökumenischen Jugendkreuzwegs auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 2015

Wohl noch nie zuvor gab es so faszinierend differenzierte Möglichkeiten wie in unserer Zeit, sich Bilder der Wirklichkeit zu machen, so hieß es im Vorwort der Redaktion zum Jugendkreuzweg. Doch was sagen all diese Bilder über das Wesentliche? Wie unscharf erzählen sie von der Wahrheit? Inmitten all jener Möglichkeiten erscheinen im medial vermittelten oder direkten Umgang miteinander gerade gemäß den sogenannten sozialen Medien bedingungslose wechselseitige Partizipation und permanenter Austausch als Ideale unserer Zeit. Was aber, wenn es dabei eben ums Eingemachte geht, darum, was die Bilder und Begegnungen bedeuten, wenn es um das Leben und um den Tod selbst geht? Leid und Tod zu „fokussieren“ ist ambivalent: Es kann Aufmerksamkeit auf den Leidenden lenken, es kann ihn zugleich aber auch bloßstellen; es kann zum Verändern und Helfen ermutigen oder zum Ergötzen verführen. Der ÖJKW 2015 korrelierte dieses Heute des eigenen Lebens mit Kreuzweg und Tod Jesu, denn vom Tod her bestimmt sich, was das Leben ist und damit auch, was wir Menschen mit unserem je individuellen Leben sind, so schrieb das Redaktionsteam. 

Es ist diese Offenbarung aus dem Ende heraus, die wahrhaft klug und aktiv werden lässt. „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“, so heißt in der Lutherübersetzung Psalm 90,12. Er war die Losung des 34. DEKT in Stuttgart, der Leitgedanken all seiner Veranstaltungen. Losung des DEKT und Motto des Jugendkreuzweges also im engsten Dialog. Das Redaktionsteam des Ökumenischen Jugendkreuzwegs lud auch auf dem Kirchentag wieder zum gemeinsamen Gebet und anschließenden Gespräch zum Inhalt und rund um das Material ein. So irritierend der Ort, der große Saal des Mercedes-Benz-Museums zunächst beim Gedanken an ein Kreuzweggebet gewirkt haben mag, so sehr kamen eben dort der Dialog aus Losung, Motto und Ort zusammen.

Das Mercedes-Benz-Museum ist Ausdruck unserer Zeit, ihrer ästhetischen Wirklichkeiten und ihrer Lebensfreude, ihrer Schnelligkeit und Vergänglichkeit, ihrer Modernität und Leistungsstärke wie ihrer materialistischen Seite mit womöglich bisweilen fetischhaften Zügen. Zugleich faszinierend und anfragewürdig. Es ist ein Gegenwartszeugnis, das dem Gebet des Jugendkreuzwegs und der Frage nach dem „Klugwerden“ anhand der Justierung unserer Fokussierung wirklich spannungsreichen und auch würdigen Raum gab. Mitarbeitende des Mercedes-Museums und des Kirchentages trugen dazu ganz wesentlich bei.

Etwa 70 Betende im abgedunkelten Saal machten sich in der Junihitze gemeinsam auf den Kreuzweg mit Jesus. Sein Kreuz in der Mitte des Raumes wurde vom Franziskaner-Orden in Düsseldorf zur Verfügung gestellt, es war aus den ehemaligen Planken eines in Lampedusa angelandeten Flüchtlingsbootes zusammengesetzt.

Denn vom Tod her bestimmt sich, was das Leben ist und damit auch, was wir Menschen mit unserem je individuellen Leben sind. Auf dass wir klug werden, uns für diese Wahrheit zu öffnen. Um in der Liebe Gottes, der vom Tod zum Leben führt, mit Freude an der Welt zu leben.

Alexander Bothe