Jugendkreuzweg auf DEKT 2016

Kreuz und Quer - Ein Weg mit dem Kreuz

KURZ: Das Jugendkreuzwegmaterial ist ein religionspädagogisch relevantes Arbeitsmaterial. Als solches wird es genutzt in Pfarreien und Gemeinden, in Dorfkapellen und Stadtkirchen, in der Firmlings- und Konfirmandenarbeit. Es wird verwendet von Jugendlichen, jungen und jung gebliebenen Erwachsenen, für Andachten, im Religionsunterricht und im Bibelgesprächskreis. Seit 57 Jahren kommen im Ökumenischen Kreuzweg der Jugend die zeitlosen Botschaften der Passion Jesu mit künstlerischen Ausdrucksformen und dem Versuch der Übertragungen in die Lebenswirklichkeit junger Menschen zueinander.
Doch wie tauglich ist eigentlich das Kreuzwegmaterial, wie gut ist es nutzbar im praktischen Umgang mit der Kernzielgruppe Jugend und wie wird es gesehen von Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft?
Diesen Fragen ging ein Podium nach, das wir für den 34. DEKT in Stuttgart vorbereitet haben und zu dem interessante Gäste eingeladen waren:
Prof. Dr. Thomas Schlag, Praktischer Theologe an der Universität Zürich, und Prof. Dr. Bernd Beuscher von der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe reflektierten die Leidenschaft Jesu als theologisches Thema kirchlicher Jugendarbeit vor wissenschaftlichem Hintergrund. Daniela Löhr, Gemeindereferentin aus Wuppertal, brachte praktische Erfahrungen ein. Aus dem Team des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend waren Cornelia Dassler, Michael Freitag und Alexander Bothe diskutierend und erklärend dabei. Musik zum Mitsingen und Mithören brachte Gregor Linßen ein, die Moderation lag bei meiner Person und Studierende der Evangelischen Hochschule Moritzburg (EHM) organisierten die Publikumsbeteiligung. 

Anders als auf dem Podium war auf der Besucherseite des Zeltes zwischenzeitlich leider etwas viel freier Platz, was aber keineswegs an den Gesprächen auf dem Podium lag. Denn die waren spannend, abwechslungsreich und sachorientiert. Besprochene Fragen waren etwa: Was hat die alte Kreuzesgeschichte mit jungen Menschen zu tun? Welche Botschaften sind für welche Jugendlichen relevant? Inwiefern kann die Auseinandersetzung mit Passion ein signifikantes Beispiel für das aktuell diskutierte Thema Theologisieren mit Jugendlichen sein? Welche didaktischen und methodischen Auseinandersetzungen mit Passion als ein zentrales Thema christlichen Glaubens sind möglich? Wie gelingt die Fokussierung auf und die Sensibilisierung für jugendliche Lebenswelten und ihre Erreichbarkeit für biblische Themen?

Dabei hat das Team des Jugendkreuzweges für die Erarbeitung der Materialen viel Ermutigung und grundsätzliche Bestätigung erfahren. Es  wurde in den Gesprächen immer wieder deutlich, dass sowohl im praktischen Erleben als auch vor dem theoretischen Hintergrund zuallermeist tiefgründig, zielgruppensensibel und zeitgemäß gearbeitet wird. Freilich kamen dabei die unterschiedlichen Themen in den vergangenen Jahren je nach Region, Altersgruppe und Arbeitsform verschieden an – konfessionelle Unterschied wurden weniger benannt. Auch werden die vielfältigen Materialen Bild, Text, Musik, Give-away u. v. a. in unterschiedlichem Umfang genutzt.

Deutlich wurde aber auch, dass manche Inhalte theologisch etwas „weichgespült“ seien. Wir sollten uns mehr trauen, sollten mutiger sein, uns mitunter kontroverser einbringen, hat uns Bernd Beuscher mit auf den Kreuzweg gegeben. Und daran, dass wir neben allen praktischen Erfordernissen uns immer neu unserer theologischen und religionspädagogischen Bildungsaufgabe bewusst sein sollen, hat uns Thomas Schlag erinnert.

Wir als Team haben durch das Podium einmal mehr erfahren, dass es bei der Erarbeitung des Kreuzwegmaterials neben dem grundsätzlichen Agieren auf der geistlichen Ebene stets auch darum geht, pädagogisch gehaltvoll zu arbeiten und dabei aktuelle Erkenntnisse aus Theologie, Pädagogik und (Jugend-)Soziologie und Kommunikationswissenschaften angemessen einfließen zu lassen. So werden wir uns auch künftig immer neu und in nötiger Wachheit dafür sensibilisieren müssen, die ewig aktuelle Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi und der aufscheinenden Auferstehungshoffnung in die Sprache und Lebenswirklichkeiten junger Menschen zu übersetzen. Und gern auch öffentlich darüber zu reden – wie beim Kirchentag im letzten Jahr.

Tobias Petzoldt