Der Altar

Siegbert von Gembloux schreibt im 12. Jh: „ … wo viele, deren Inneres das heilige Feuer verzehrte, an ihren zerfressenen Gliedern verfaulten, die schwarz wie Kohle wurden. Sie starben entweder elendig oder sie setzen ein noch elenderes Leben fort, nachdem die verfaulten Hände und Füße abgetrennt waren…“. Immer wieder tritt die Epidemie auf. Unerklärlich, damals völlig rätselhaft und unausrottbar. Letzte Hoffnung blieb für viele, wir befinden uns im 11. Jahrhundert, die Fürsprache eines starken Heiligen. Man wählte den Vater aller Mönche, den Heiligen Antonius. Daher der Name.

Guérin stirbt wider Erwarten nicht. Und zum Dank stiftet sein Vater ein Hospital.

Im Altar ist die Reliquie des Antonius eingelassen, die auf weitem Weg aus Ägypten nach Frankreich kamen. Die Hospitalskirche wird zum Wallfahrtsort, eine größere Kirche muss gebaut werden und es gründet sich bald eine Bruderschaft, Guérin und sein Vater sind mit von der Partie. Sie kümmern sich um die, die das Antoniusfeuer verbrennt. Aus der Bruderschaft wird ein Orden – die Antoniter. Innerhalb kürzester Zeit entstehen in Mitteleuropa 369 Ordensniederlassungen, die erste deutsche in Isenheim, im Elsass, 1314.

Die Antoniter gingen unter Napoleon im Malterserorden auf und dieser wenig später aufgelöst.
Die Regeln sind streng. Die Antoniter-Brüder und Schwestern „brennen“ für ihre Sache.
Viele Kranke überleben als Verstümmelte – auch ihnen gibt die Gemeinschaft Zukunft: sie können im Kloster bleiben und werden versorgt.

Die Kranken werden mit nahrhaftem Brot versorgt und dem Antoniuswein, einem Wein- und Kräutertrank, in den die Reliquien des hl. Antonius getaucht werden. Auch die Wunden werden behandelt und mit einem entzündungshemmenden Kräuterbalsam versorgt.

Zur Therapie gehören aber auch Gebet und Bußübungen und das Verweilen vor dem Altar bei der Aufnahme ins Hospiz, denn die Hoffnung auf Wunderheilung ist groß. Vermutlich war es nicht so, dass die Kranken dauerhaft im Kirchenraum mit Blick auf den Altar ihr Lager hatten.

Wer den Weg ins Hospital findet, der kommt zuhause nicht mehr zurecht – bei dem ist die Krankheit weit fortgeschritten. Es kommen auch die Pestkranken und die mit Syphilis, das sind die Geißeln ihrer Zeit.
Hier finden sie Läuterung und Gebet, die Sterbesakramente und Linderung, hier verweilen sie beim heiligen Antonius, hier wird ihnen der unter unmenschlichen Schmerzen leidende Christus vor Augen gestellt.