Vom Mobbing zum Herztor

Das Herztor ist eine Station beim Ökumenischen Kreuzweg der Jugend, einer interaktiven Ausstellung, die noch bis zum 14. März in der Hildesheimer St.-Andreas-Kirche zu sehen ist. Vor allem Schulklassen nutzen das Angebot, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, aber die Ausstellung steht auch anderen Gruppen und einzelnen Interessierten offen.

„Was stellt ihr euch unter einem Kreuzweg vor“, will Vivian Knörndel vom Evangelischen Kirchenkreisjugenddienst zunächst von den Jugendlichen wissen. Die Antwort kommt prompt, immerhin handelt es sich hier um den Kurs „Katholische Religion“ des zehnten Jahrgangs: „Man erfährt etwas über Jesus’ Leidensgeschichte.“ Vivian Knörndel greift den Faden auf: „Genau. Aber hier geht es nicht um die Situation damals, sondern sie wird ins Heute übertragen.“

Schulkassen und Jugendgruppen haben die Stationen gestaltet, inspiriert von Fotos eines Kunstprojekts am ehemaligen Todesstreifen zwischen der DDR und der Bundesrepublik. Der geteilte Staat spielt jedoch eher im Hintergrund eine Rolle, die aus Jesu Weg nach Golgatha resultierenden Fragen sind allgemeiner. So wird das Bild „Jesus wird verurteilt“ zur Folie, um über Mobbing nachzudenken. Und „Jesus nimmt das Kreuz“ bietet den Anlass, sich eigene Stärken und Schwächen bewusst zu machen.

Daneben wartet das „Kreuz der Belastung“,die Jugendlichen probieren es sofort aus. Erst befüllen sie das aus Abflussrohren gebaute Kreuz mit Steinen, die für ihre persönlichen Belastungen stehen, dann schnallt es sich eine Schülerin auf den Rücken – um festzustellen, dass es gar nicht so leicht ist, das Kreuz und die Steine wieder loszuwerden.

„Ich war am Dienstag schon mit einem elften Jahrgang hier, denen hat es ausgesprochen gut gefallen“, berichtet die Scharnhorst-Lehrerin Helga Thalmann. „Zugänge zur Bibel“ heiße das aktuelle Thema im Unterricht, die Ausstellung sei ideal dafür. Helga Thalmann: „Hier sind die Schüler viel interessierter, als wenn wir nur in der Klasse die Bibel lesen.“ Im nächsten Jahr will sie gerne selbst eine Station mit ihrem Kurs gestalten.

„Es hilft einem, mit solchen Themen klarzukommen, zum Beispiel, wenn jemand in der Familie stirbt“, sagt ein Schüler nach dem Rundgang durch die Ausstellung. Einer hält dagegen: „Ich finde, man sollte sich nur mit den guten Dingen beschäftigen und die schlechten ignorieren. Man kann ja sowieso nichts ändern.“ Die Mehrzahl des Kurses ist allerdings anderer Meinung. „Wenn man es ignoriert, kann es sein, dass es immer so weiter geht“, entgegnet eine Schülerin und jemand ergänzt: „Wenn man die schlechten Seiten des Lebens ignoriert, kann man die guten gar nicht richtig schätzen.“

kreuz

Die Station „Jesus wird ans Kreuz geschlagen“ wirft die Frage auf: „Was betrübt dich an deinem Verhalten?“ Die Antworten der Scharnhorst-SchülerInnen fallen sehr unterschiedlich aus. „Fehler, die ich bereue, aber nicht rückgängig machen kann“, steht auf einem Zettel, während jemand anders notiert hat: „Ich sollte kein Fleisch essen.“ Foto: Neite