Vorstellung Ulrich Barnickel

Porträt

Gerne setzt der international gefragte Künstler auf die ästhetische und ideelle Wirkkraft zäher Eisen- und Stahlschönheit.
Besonders mit seinen Metallarbeiten verweist er mitunter fast beiläufig auf die eigene artistische Fixierung, deren Anfänge bis in die DDR-Vergangenheit zurückreichen: Der gebürtige Weimarer und gelernte Schmied studierte zunächst an der renommierten Burg Giebichenstein Metallplastik und Bildhauerei.

Zu dieser Zeit war Barnickel ein bisschen zu sehr Querulant. Ein Mitdenker, der kaum einen Hehl aus seiner Ablehnung gegenüber dem Parteiregime machte und 1985 nach Westdeutschland ausgebürgert wurde. Dort lebt er bis heute und produziert seine Kunst vor Ort oder in seinem Weimarer Domizil mit schweren Schneid- und Schweißwerkzeugen.

Zweifellos konnte er so zur Ideenfindung für das 2009 auf dem ehemaligen "Todesstreifen" zwischen Hessen und Thüringen eröffnete Grenzprojekt "Point Alpha" aus seinem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Entstanden war damals ein nachempfundener, von ausgezehrten, hohlen Metallakteuren in weit ausgreifenden Bewegungen inszenierter biblischer Leidensweg, dessen Richterfigur Pilatus mit einem NVA-Stahlhelm an die Willkür kommunistischer Diktatur erinnerte. Die monumentalen, bis zu vier Meter hohen Figuren "lassen dem Betrachter die freie Wahl, selbst zu suchen und zu entdecken", wie Barnickel meint, der seine Kunst stets ohne Umwege mit dem Rezipienten kommunizieren lässt.

Viele der Figuren lassen Fragen offen und bewegten „im Dialog mit dem Arbeitsthema zur Selbstkritik", erklärt der Künstler. "War ich vor 30 Jahren Täter oder war ich Opfer?"
Es ginge bei seiner eindrücklichen, fast bestürzenden Interpretation des Kreuzweges mittels abstrakt-technoider Gestalten um Tragik, Einsamkeit, aber auch Stolz im Angesicht staatlicher Willkür, verrät er.
Mit „Vergangenheitsbewältigung“ lässt sich aber nur ein Teil des umfangreichen Werkes Barnickels überschreiben: zu zahlreichen skurrilen Arbeiten inspiriert ihn seine alltägliche Umwelt; sie zeugen vom "anderen Barnickel". Lachen und Weinen liegen dabei meist nicht weit auseinander. Denn das ist Barnickels Intention: Ambivalenzen aufzeigen, Emotionen rühren und durch die taktile Tuchfühlung mit den Schweißnähten und Korrosionsspuren der Gestalten auf die Fragilität und Vergänglichkeit aller irdischen Materie hinweisen.
Weitere Informationen: www.ulrich-barnickel.de und www.pointalpha.com